Neben den Sätzen und schönen Sprüchen die in der ausdruckreichen deutschen Sprache formuliert wurden, gibt es auch in anderen Kulturen einige Juwelen zu entdecken.
„Alle glücklichen Familien unterscheiden sich mehr oder weniger; alle unglücklichen ähneln sich mehr oder weniger.” – Vladimir Nabokov, "Ada oder das Verlangen" (1969). Ist aber wiederum ein Zitat aus "Anna Karenina" von Leo Tolstoi.
„Nennt mich Ismael.“ – "Moby-Dick" (1851) von Herman Melville.
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann, der ein beträchtliches Vermögen besitzt, einer Frau bedarf.“ – "Stolz und Vorurteil" (1813) von Jane Austen.
„Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.“ – "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" (1913) von Marcel Proust.
„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm.“ – "Schwarz" (1982) von Stephen King.
„Es war ein klarer, kalter Tag im April, und die Uhren schlugen gerade dreizehn, als Winston Smith, das Kinn an die Brust gepresst, um dem rauen Wind zu entgehen, rasch durch die Glastüren eines der Häuser des Victory-Blocks schlüpfte, wenn auch nicht rasch genug, als dass nicht zugleich mit ihm ein Wirbel griesigen Staubs eingedrungen wäre.“ - "1984" (1949) von George Orwell.
„Man weiß nie, wann das Schicksal zum Streich ausholen wird.“ - "Der dritte Mann" (1949) von Graham Greene.
„Er war ein alter Mann und er fischte allein in einem Boot im Golfstrom, und seit vierundachtzig Tagen hatte er keinen Fisch gefangen“ - "Der alte Mann und das Meer" (1951) von Ernest Hemingway.
„Finster drohend stand der Tannenwald zu beiden Seiten des eingefrorenen Wasserlaufs. Der Sturm hatte die weiße Schneedecke von den Bäumen gewischt, so dass man nun den Eindruck hatte, sie suchten im düsteren Tageslicht beinahe Schutz.“ - "Wolfsblut" (1906) von Jack London.
„Der Tag, nach dem im Leben von Raimund Gregorius nichts mehr sein sollte, wie zuvor, begann wie zahllose andere Tage.“ – "Nachtzug nach Lissabon" (2004) Pascal Mercier.
Deutsch
Doch zurück zu der Sprache, die über Mittel- und Hochdeutsch aus dem Germanischen entstand.
„Ilsebill salzte nach.“ - Günter Grass, "Der Butt"
„Lieber Leser, weißt du, was das Wort Greenhorn bedeutet?“ - Karl May, „Winnetou I“
„Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt.“ – "Die Verwandlung" (1915) von Franz Kafka
„Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine "ungeheure Warensammlung", die einzelne Ware als seine Elementarform.“ - Karl Marx, „Das Kapital“
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Grundgesetz der BRD, Artikel 1
Und hier noch ein Zitat von Immanuel Kant (1724 - 1804), dem berühmten Philosophen:
"Die Freiheit eines jeden beginnt dort, wo die Freiheit eines anderen aufhört."
Vollendung
Es gibt sie, Worte, die nachklingen. Worte und Sätze, gelesene oder gehörte, die im tiefsten Inneren schlummern, die im Gedächtnis haften bleiben, und in den unmöglichsten Momenten wieder ins Bewusstsein gespült werden. Worte, die beschreiben, berühren und be-wegen.
Es war die beste aller Zeiten, es war die schlimmste aller Zeiten,
es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit,
es war die Epoche des Glaubens, es war die Epoche des Unglaubens,
es war die Saison des Lichts, es war die Saison der Dunkelheit,
es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Verzweiflung,
wir hatten alles vor uns, wir hatten nichts vor uns,
wir gingen alle direkt in den Himmel, wir alle machten uns in die andere Richtung auf ...
Deutsche Übersetzung des wohl berühmtesten Anfang eines Romans, der im englischen Original wie folgt lautet: „It was the best of times, it was the worst of times.“
Und? Wer hat‘s erfunden? Antwort: Charles Dickens (1812 - 1870), in dem Roman „Eine Geschichte aus zwei Städten“ (1859).
Anmerkung: auf unserer Schwesterseite gibt es gute Zitate von Charles Dickens zum nachlesen oder schmökern.
Der historische Roman spielt in Paris und London, vor und während der Französischen Revolution. Der Roman zeigt die Notlage der französischen Bauernschaft, die in den Jahren vor der Revolution von der Aristokratie demoralisiert wurde, was zu einer entsprechende Brutalität der Revolutionäre führt. Es werden viele, wenig schmeichelhafte, Parallelen zum (sozialen) Leben in London im gleichen Zeitraum aufgezeigt.
Im Detail wird die Lebensgeschichte von Dr. Alexandre Manette, seiner Tochter Lucie, deren Ehemann Charles Darnay und des britischen Anwalts Sydney Carton beleuchtet.
Erster Eindruck
Der erste Eindruck, den wir von einem Buch, Film, oder Menschen gewinnen entscheidet darüber oft darüber wie es weitergeht: ob wir uns verlieben, zutiefst berührt sind oder ob es uns „kalt“ lässt. Er ist nicht wiederholbar, aber manchmal auch mehr Schein als Sein, und auf jeden Fall ist das innere Bild, das durch die erste Begegnung entstand revidierbar – in alle Richtungen.
So sind manche Anfänge perfekte Spannungsbögen, konzentrierteste Anregung, komprimierte Dichte, die die Erwartung, das (noch) dahinter verborgene kennenzulernen, wecken:
"Ich war eine glückliche Frau" aus dem Band „Ich träume also: Erzählungen“ von Margriet de Moor
"Vor einem Jahr kam mein Vater auf die denkbar schwerste Weise zu schaden, er starb." aus „Bronsteins Kinder“ von Jurek Becker
"... Anfangen, wo es anfängt" aus der Hörspieldichtung (ein Klassiker) "Unter dem Milchwald" von Dylan Thomas
Religion
Und dann gibt es noch das Buch der Bücher, die Bibel. Auch heute noch in vielen Hotelzimmern der westlichen Welt in einer Schublade zu finden. Ist ja auch das erste, wonach man in einem fremden Zimmer suchen würde.
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde; die Erde aber war wüst und wirr, Finsternis lag über der Tiefe, und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“ Unbekannter Autor, „Die Bibel, Altes Testament, 1. Moses, Kapitel 1“
Hier dann noch die ersten Verse (sieben an der Zahl) aus dem Koran, nur mal so. Der ist natürlich nur an speziellen Orten zu finden, auf jeden Fall in obigen Räumen eine Rarität.
- Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.
- Aller Preis gehört Allah, dem Herrn der Welten,
- Dem Gnädigen, dem Barmherzigen,
- Dem Herrscher am Tage des Gerichts.
- Dir allein dienen wir, und zu Dir allein flehen wir um Hilfe.
- Führe uns auf den geraden Weg,
- Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht (Dein) Missfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind.
- Antrittsreden von Staatsoberhäuptern
- Gegen Interpretation?
- Das Kölsche Grundgesetz
- Berühmte Romananfänge
- Der schönste erste Satz
- Die schönsten Wörter der Welt
- Die Schrecken der deutschen Sprache
- Das Reich der Liebe (mit Landkarte)
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